Allgemeines

Aus medizinischen Gründen ist im Notfall eine schnellstmögliche Hilfe anzustreben. In Schleswig-Holstein gilt nach Landesrettungsdienstgesetzt (RDG SH vom 29. November 1991) eine Hilfsfrist von 12 Minuten, genauer gesagt: In 90% aller Einsätze soll ein an einer öffentlichen Straße gelegener Notfallort vom ersten [hauptamtlichen] Rettungsmittel in 12 Minuten erreicht werden.

Aber selbst der gut ausgestattete Rettungsdienst kann bei einem erhöhten Einsatzaufkommen an seine Grenzen stoßen. Treten z.B. in Schwarzenbek drei Notfälle gleichzeitig auf, muss ein weiteres Rettungsdienstfahrzeug von einer entfernteren Wache anrücken und der Notfallpatient ggf. sehr lange auf qualifizierte Hilfe warten.

Zur Überbrückung dieses "therapiefreien Intervalls" bietet das DRK Schwarzenbek eine First-Response-Einheit an. Die "First Responder" sind speziell ausgebildete Helferinnen und Helfer der Schnelleinsatzgruppe und von der ärztlichen Leitung explizit ausgewählt. Regelmäßige Schulungen inkl. Mega-Code-Training (erweiterte Wiederbelebungsmaßnahmen) sorgen für eine hohe medizinische Qualität der geleisteten Hilfe. Eingesetzt werden vom Rettungsdiensthelfer bis zu den Notärzten des Ortsvereins medizinisch qualifizierte SEG`ler.

Einsatztaktik

Der Alarm erfolgt automatisch durch den Einsatzleitrechner der Integrierten Regionalleitstelle Süd (Bad Oldesloe), wenn die originär zuständigen Rettungswagen der Rettungswachen Lanken und Schwarzenbek in anderen Einsätzen gebunden sind und ein weiterer Notfall in Schwarzenbek auftritt. Zudem kann der Disponent im Fall eines größeren Verkehrsunfalls oder Feuers auf die First Responder zurückgreifen. Die Alarmierung erfolgt über Funkmeldeempfänger an alle Einsatzkräfte. Treffpunkt ist wie bei einer Freiwilligen Feuerwehr das DRK-Zentrum. Nach 3 - 4 Minuten rücken die am höhesten qualifizierten Helfer mit dem Rettungswagen (RTW) des Ortsvereins aus. Der durchschnittliche Zeitvorteil vor dem Rettungsdienst beträgt 6 - 7 Minuten.

Maßnahmen

Die Helfer führen überwiegend Basismaßnahmen der Ersten Hilfe und des Rettungsdienstes durch: Betreuung, Wärmeerhaltung, Lagerung, Sauerstoffgabe, Immobilisation. Ein komplettes Monitoring inkl. 12-Kanal-EKG bei Verdacht auf Myokardinfarkt ist vorhanden und wird konsequent eingesetzt. Bei Bedarf und je nach Ausbildung werden invasivere Maßnahmen (Defibrillation, Infusion u.ä.) ergriffen. Einsatztaktisch erfolgen zügige Rückmeldungen an die Rettungsleitstelle, ggf. die Nachforderung weiterer Kräfte, die Wegeinweisung des in diesen Fällen manchmal ortsunkundigen Rettungsdienstpersonals und die Absicherung von Einsatzstellen.

First Responder vs. Rettungsdienst?

Die First Responder stellen eine Ergänzung des hauptamtlichen Rettungsdienstes dar, niemals einen Ersatz. In jedem Fall ist ein hauptamtliches Rettungsmittel parallel zu den First Respondern alarmiert. Ein eigenverantwortlicher Transport von Notfallpatienten durch die FR geschieht nur auf ausdrückliche Anweisung der Rettungsleitstelle oder wenn der Patientenzustand dieses notwendig macht - z.B. bei intraabdomineller Blutung.

In mittlerweile 10 Jahren Tätigkeit als First Responder hat sich eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem hauptamtlichen Rettungsdienst und den hauptamtlichen Notärzten entwickelt.

Publikation

Eine wissenschaftliche Abhandlung des First-Responder-Systems des DRK Schwarzenbek und der DLRG Lauenburg vom Stv. Ärztlichen Leiter Dr. Gregor Naths erschien in der Zeitschrift "Notfall und Rettungsmedizin", Springer Verlag, Ausgabe 5, 10. Jhg., S. 350 - 356, 2007.

Wer es noch genauer wissen möchte: Der Artikel ist die Kurzversion der Doktorarbeit des Verfassers. Einfach den Titel googlen oder finden unter der folgenden Literaturangabe: "First Responder als Ergänzung des Rettungsdienstes - Kennzeichen, Bestandsaufnahme und Leistungsvermögen ehrenamtlicher Ersthelfersystem". Med. Diss. Dr. med. Gregor Naths, Universität Lübeck, 02/2008.

Interesse?

Die FR-Truppe sucht immer neue Mitglieder. Wenn nicht von Haus aus schon eine Rettungsdienstausbildung vorhanden ist (Rettungsassistent, Rettungssanitäter, oder auch mal ein weiterer Notarzt...), stellen sich die Anforderungen, die wir an First Responder stellen, folgendermaßen dar:

  • Mitglied im DRK-Ortsverein
  • Mitarbeit in der aktiven Bereitschaft (also 18 Jahre + älter)
  • Rettungssanitäter-Grundlehrgang (160h)
  • jährliche Fortbildung (mind. 30h)
  • Ausbildung in der Frühdefibrillation (8h)

Wir geben gerne weitere Auskunft! Anfragen an den Geschäftsführer, Herrn Stefan Fehrmann unter 04151 8979271 oder fehrmann@drk-schwarzenbek.de, oder die SEG-Leitung seg@drk-schwarzenbek.de.

Für die schnellstmögliche Hilfe

Liebe Leserin, lieber Leser!

Sie haben sich soeben über die First Responder des DRK Schwarzenbek informiert. Niemand wünscht es, aber sollten Sie einmal unsere Hilfe benötigen, haben wir hier ein paar wichtige Bitten und Hinweise für unseren Einsatz. Diese gelten tlw. auch für den Einsatz des Rettungsdienstes ohne die FR:

  • Im Notfall wählen Sie bitte die "112" - nur so erhalten Sie schnelle Hilfe!
  • Denken Sie an die 5 W`s:

- W as ist passiert?

- W o ist es passiert?

- W ieviele Betroffene?

- W elche Beschwerden?

- W arten auf Rückfragen!

  • Legen Sie erst auf, wenn der Leitstellenmitarbeiter dieses sagt.
  • Wenn möglich, stellen Sie eine einweisende Person an die Straße.
  • Öffnen Sie Ihre Tür, kennzeichnen Sie Ihr Haus, damit wir Sie möglichst sofort finden können.
  • Sorgen Sie bitte für eine gut sichtbare Hausnummer - gerade nachts mit ausreichender Beleuchtung.
  • Wenn die First Responder kommen, weisen diese Sie auf weitere anrückende Fahrzeuge hin. Belassen Sie den Einweiser bzw. die geöffnete Tür.
  • Sind wir dabei, kommt nach uns mindestens noch ein Rettungswagen, vielleicht auch noch der Notarzt.

- Erschrecken Sie nicht vor der Masse an Personal, die wollen alle helfen!-

  • Jeder Notfallpatient erhält zu seiner eigenen Sicherheit ein ausführliches Monitoring: Viele Kabel und Schläuche. Das sieht bedrohlich aus, hat aber alles seinen Sinn.
  • Wenn es alte Arztbriefe oder Medikamentenpläne des Patienten gibt, zeigen Sie uns die bitte. Für die Diagnose vor Ort sind solche Informationen Gold wert und können Leben retten.
  • Halten Sie, wenn möglich, die Krankenkassenkarte bereit.
  • Wir werden Sie informieren, welches Krankenhaus der Rettungsdienst anfahren wird. Fahren Sie bitte vorsichtig dorthin - in der ersten halben Stunde findet das Krankenhaus noch nicht viel mehr heraus als wir vor Ort.

Zu guter Letzt´ wünschen wir Ihnen: Bleiben Sie gesund!